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Portraits aus Taskale und den umliegenden Dörfern 1990 – 2009
Portraits 2007
Portraits 2008
Portraits 2009
Portraits 2013
Aile Demircan Kiramagnolu
Dörfer
Ayranci Markt
Ayranci und Umgebung Portraits
Berendi Portraits
Kesir/Berendi Göcmek
Kizilaragini 03.09.2009
Kiraman
Catköy
Yaylas
Gökharman Yayla
Ulubel (Belyurt) Yayla
Yufka backen 04.08.2002
Esekcejurdu 05.08.2004
Karatasliyurt 01.08.2004
Kasikkaya-Yayla 05.08.2004
Kockuyusu-Yayla 01.08.2004
Körkuyu-Yayla 31.07.2002
Cubuklu-Yayla 14.08.2006
Gerdek kilise Yayla 05.06.2007
Hüyük alani Yayla 07.08.2002
Brauchtum
Essen bei Hasan in Karaman 30.08.2009
Gözleme Haciobasi 06.08.2007
Esel als Reittier und Pferdewagen
Teppichknüpfen
Kalay – der Verzinner

Die Familie des kasap, des Metzgers, im zentralen Wohnraum des Hauses, nur mit Teppichen und Sitzkissen ausgestattet in Taskale 1990


Das Ehepaar Süleyman in Taskale 1990…
… und dessen Kinder


Ein Ehepaar in Taskale 1990

Die Familie des kadde in Taskale 1990




Spinnen mit der Spinnwirtel

Frauen in Kizilaragini 2009

Am 07.08.2004 in Kizilaragini

13.05.2008 bei Pinarkaya

Selims Mutter am 04.06.2007 bei Ayranci

Jungs in Delimahmutlu 2009

Am 06.06.2012 in Berendi



Meine Freunde Galip und Yakup im Jahr 2000 bei einem Dorffest in Berendi

Galip bei einer Tour im Frühjahr 2001 ins Gebiet des etwa 2700m hoch gelegenen Yaylabereiches Kirkpinar

Yakup, Galip und Karin am 30.03.2005 in Gökharman. Es gibt zwar einen Tisch – aber natürlich wird auf dem Boden gegessen.

Mit Freunden am 28.05.2001 in einem Teehaus bei Ücharman

Rechts Asiye, die Enkelin von Galip, am 04.09.2009

22.05.2008

Die Familie von Galips Sohn mit Aishe auf der Yayla Koc-kuyu-su

Am 05.06.2007 zu Besuch auf der Gerdek kilise Yayla – ohne Kopftuch sind nur die Deutschen und die Kinder

Am 05.08.2004 konnte ich die besondere Gastfreundschaft und Offenheit der Sommernomaden erfahren. Ich war natürlich im Gebiet bekannt und die Frauen wussten, wer ich war. Außerdem hatte ich meine 12-jährige Tochter dabei. Obwohl kein Mann auf der Yayla war, wurden wir von den Frauen eingeladen.
Am 31.07.2002 auf der Kuzkuyu-Yayla (Lämmerschacht-Yayla)



Schafhirten am 07.08.2002 im Bereich zwischen Gerdek kilise und dem Cocakdere. Sie tragen ihre Ruhematten als Mäntel und sind mit Schlagstöcken bewaffnet.
PORTRAITS 2007









PORTRAIT 2008

PORTRAIT 2009


PORTRAITS 2013







AILE DEMIRCAN, KIRAMANOGLU









AYRANCI
MARKT

01.04.2005

20.08.2006

16.05.2008

In einem islamischen Land mit schlechter sozialer Absicherung gehören Bedürftige zum öffentlichen Leben und werden unterstützt

04.06.2007 – Milchsammelstelle

Yakups Eltern am 09.08.2002
Yakups Schwiegermutter am 22.05.2004 beim Nähen von Fellsäcken für den Tulum Peynir

01.06.2007




04.06.2007







01.06.2007
BERENDI

Dorffest im Jahr 2000

28.08.2010

06.06.2012
KESIR/BERRENDI – Preparation for Göcmek 2000




KIZILARAGINI 03.09.2009






KIRAMAN


CATKÖY

02.06.2004

16.08.2006

05.06.2007

17.05.2008



YAYLAS
Gökharman

26.08.2001

02.08.2004


Ulubel – Belyurt

03.08.2002











15.08.2006
Yufka backen am 04.08.2002







Esekceyurdu – 05.08.2004



Karatasliyurt – 01.08.2004




Kasikkaya-Yayla – 05.08.2004




Kockuyusu-Yayla – 01.08.2004

Galips Sohn mit Familie (Dank an Aishe für die Unterstützung)

Körkuyu-Yayla – 31.07.2002



An dieser Stelle war ein Foto, auf dem auch eine Person vorhanden war, die noch als verheiratete Frau von mir Kindesunterhalt (für sich selbst als Kind!) pfänden ließ. Sie meinte, sie hätte dafür einen Rechtsanspruch auf Schadenersatz.

Cubuklu-Yayla – 14.08.2006

Gerdek-kilise-Yayla – 05.06.2007

(Dank an Aishe für die Unterstützung)




Hüyük alani Yayla – 07.08.2002




Essen bei Hasan in Karaman am 30.08.2009

In der Stadtwohnung sitzen die Männer am Tisch…

… und die Frauen mit den Kindern in einem anderen Raum auf dem Boden
Gözleme am 06.08.2007 bei Haciobasi



Esel als Reittier und Pferdewagen

05.01.2005 bei Ayranci – Esel sind immer geländegängig…


17.05.2008

22.05.2008

24.08.2010 in Taskale

17.08.2013 hinter Kizilaragini



13.05.2008

02.09.2009

22.05.2008 in Ayranci



Auch wir schätzten den Vorteil eines Lastpferdes bei einer 50km-Bergtour

Teppichknüpfen – eine Kunst, die verloren geht

28.08.2001 in Taskale


06.01.2010 Demo in Teppichverkauf

28.08.2001

20.08.2006

28.08.2001


Kalay – der Verzinner
Als Kupfer als Kochgeschirr und Behälter für Essen und Getränke noch verbreitet war, musste dies für Lebensmittelzwecke verzinnt werden. Kupferschmiede und Verzinner waren zumindest in jeder Stadt häufig anzutreffen. Schon seit einigen Jahrzehnten gehören diese Berufe zu den aussterbenden. Das Kupfer wurde durch Aluminium und Kunststoff abgelöst.
Früher zogen Kalay als Wanderarbeiter durch die Dörfer.



Ein kalay im Landstädtchen Mut – 01.04.2005




Arbeitsabläufe in der Werkstatt eines kalay am 07.06.2007

Zu Besuch beim kalay arkadas




Vor dem Verzinnen werden Unebenheiten beseitigt









Dieses Tablett ist fertig






Auch dieses Tablett ist fertig





Auch das dritte Tablett ist fertig
Das Dorf Berendi ist mit seinen großen Yaylabereichen prädestiniert für die intensive Schafzucht.

Eine Schafherde mit einigen Ziegen kommt am Morgen aus den höheren Lagen zur Quelle bei der Yayla.

Schafe gehen im bergigen Gelände im “Gänsemarsch”. Sie benutzen dabei die Tritte des vorgehenden Schafes und können bei Sonneneinstrahlung den Kopf im Schatten von dessen Hinterteil halten.
Jeden Abend gegen 17 Uhr werden die Schafe auf der Yayla mit einem Strick in Doppelreihen Kopf an Kopf zusammengebunden und gemolken.


Die Milch wird in großen Kupferkesseln abgekocht.


Nach dem Abkochen kann die Milch auch in einer Zentrifuge entrahmt werden.



Die abgekochte Milch wird fermentiert und zu Yoghurt eindicken lassen.

Dieser kann wiederum gegessen oder gelagert werden. Verdünnt mit Wasser und gewürzt mit Salz ist Yoghurt als Ayran das traditionelle Getränk der Nomaden nach dem frischen Quellwasser.
Der Yoghurt wird in einem Tuch entwässert und die fast trockene Masse danach zerbröselt und mit Salz gewürzt.


Parallel werden schon aus den Fellen frisch geschlachteter Schafe und Ziegen Säcke genäht, in die die Käsemasse eingefüllt wird.






Salzen

Fellsäcke nähen

Die Käsemasse kann dann in die Fellsäcke gefüllt werden. Besonders typisch sind die gefüllten Vorderkörper der Tiere.



Diese kommen danach in eine Höhle zum Reifen. Dieser Tulum peynir ist das traditionelle Produkt der gesamten Yaylawirtschaft. Allerdings kann er aus nahrungsmittelhygienischen Gründen nicht in den öffentlichen Verkauf gelangen. Die vielen Tonnen von Tulum peynir werden deshalb im familiären Umfeld der Produzenten verbraucht.


So, wie jede Yayla abhängig ist von der Lage an einer Quelle, ist die Reifung des Tulum peynir abhängig von der Anwesenheit einer geeigneten Höhle. In der Regel ist dies im Gebiet der Sommernomaden ein Schacht mit 10 bis 30m Tiefe. Das immer gleiche Klima dort bestimmt den Reifeprozess und die Wirkungsweise verschiedener Bakterien. Und die verschiedenen Höhlenlagen und Schachttiefen sorgen für immer wieder neue Bedingungen – und damit Käsesorten.
Zur Erkundung geeigneter Schächte wurden die Yürüks, die Bergbauern, zu den originären Höhlenforschern im Nomadengebiet.
Der Transport der Käseportionen mit einem typischen Gewicht von 20 kg geschieht mit Seil, Pferd und einem Ardic-Stamm (Wachholder ist der einzige Baum, der in diesen Lagen noch wächst) als Umlenkeinrichtung an der Schachtoberkante. Findet man im Gebiet der Sommernomaden also einen Schacht mit einem Ardic-Stamm, der evtl. noch eingeschliffene Rillen aufweist, handelt es sich um einen Käseschacht.

Der 30m tiefe Kar obruk (Schneeschacht) ist der mit weitem Abstand tiefste Käseschacht im Yaylagebiet von Berendi.

Alte Ardic-Stämme mit tiefen Rillen, die als Umlenkrollen an einem Käseschacht ausgedient haben
Abstieg in den Kar obrug mit Landung auf dem namengebenden und ganzjährig vorhandenen Schneekegel
Am tiefsten Punkt, zwischen Schneekegel und Höhlenwand, lagert der mit den Namenskürzeln der Besitzer gekennzeichnete Käse
Die zentrale anatolische Hochfläche stösst mit ihrer Höhenlage um 1000m an den Nordrand des Taurus.

In diesem Bereich bis in die Ausläufer des Taurusgebirges in den Höhlenlagen zwischen 1000 und 2000m liegen Dörfer, die von Bauern besiedelt sind, deren Lebensgrundlage bis zum Ende des letzten Jahrhunderts hauptsächlich auf Schaf- und Ziegenwirtschaft gründete. Nur die reicheren Bauern konnten sich Kühe leisten, deren ganzjährige Versorgung aber problematisch ist, weil die Tallagen in den Sommermonaten nicht genug Wasser haben, um ausreichend Futter zu liefern.
Ein Dorf im Tal zwischen Karaman und Taskale heißt “Yesildere” – Grüntal.
Diese Ortsbezeichung ist wesenstypisch für die Prägung der Landschaft durch den Kontrast von Trockenheit und Anwesenheit von Wasser.

Zwischen Taskale und Pinarkaya

Ücharman (drei Scheunen), als “Divle” schon im Altertum bekannt

Das Bugdayli-Tal (Weizental)

Güldere-Tal
In den Höhlenlagen zwischen 2000m und 2700m gibt es genügend Quellen, die dort für saftiges Grün sorgen, wenn in den nierigeren Lagen schon alles vertrocknet ist und nur noch Ockertöne dominieren.
Das Dorf Berendi am Ende des bewohnten Tales, das in Ayranci den Stausee beliefert, ändert sein Gesicht drastisch in den wenigen Monaten zwischen Juni und August:

Berendi im Juni

Berendi im August
Die Berglagen, die für die Sommernomaden interessant sind, liegen zwischen 2000m und 2700m Seehöhe. Die Zeitdauer, die dort zur Verfügung steht, wird begrenzt durch relative Schneefreiheit ohne Nachtfrost ab Anfang Juni bis zum erneuten Einbruch von Nachtfrost Ende August/Anfang September.
Die Schaf- und Ziegenherden finden während dieser Zeit in den Quellbezirken eher frisches Grün als in den Tallagen.


Ich selbst hatte im größten zusammenhängenden Yaylagebiet ohne Durchgangsstraßen der gesamten Türkei – und damit Rückzugsgebiet anatolisch-nomadischer Tradition – direkten Kontakt insbesondere zu den beiden Yalylabereichen nördlich und südlich des Dorfes Berendi (nördlich der Bolkarkette) und in den Yaylabereich des Dorfes Catköy, südlich der Bolkarkette.


Die Landschaft ist spektakulär und frei von Tourismus.
Der Aufenthalt der Sommernomaden auf der Yayla startet mit dem “Almauftrieb” – dem GÖCMEK.
Von Ende Juli 1989 bis Ende August 1990 (Schuljahr 1989/1990) konnte ich mir einen Traum erfüllen und ein Jahr reisen.
Die Touren während dieses Jahres begannen mit einem mehrwöchigen Aufenthalt in Ungarn beim Internationalen Kongress für Höhlenforschung während den bewegten Zeiten der Besetzung der Deutschen Botschaft durch DDR-Flüchtlinge.
Der Mercedes 508 mit langem Radstand und Hochdach, den ich extra für dieses Jahr selbst zum Expeditionsgefährt ausgebaut hatte, kam zum ersten Mal so richtig zum Einsatz.

Der heftige Wintereinbruch erleichterte die Entscheidung, die Wintermonate von Anfang Dezember 1989 bis Anfang März 1990 als Backpacker in Indonesien, Malaysia und Singapur zu verbringen.
Da während dieser Zeit die Mauer geöffnet wurde, folgte eine Tour durch die Ex-DDR, um Brieffreunde dort zu treffen.
Danach startete eine 5-monatige Tour mit dem Expeditionsgefährt in die Türkei bis zur syrischen Grenze.

Mit weiteren Freunden in Fethiye

Die Ambar-Wand in Taskale, Karaman

Im Bereich der Yayla Ogru, Taskale

Bei Susuz
Eigentlich wollte ich weiter nach Syrien und danach so weit, wie ich irgendwie kommen konnte. Doch die syrischen Grenzbehörden benahmen sich für mich so übergriffig, dass ich mich dazu entschloss, ein Land mit solcher behördlichen Struktur nicht als Reiseumfeld zu wählen.
Ich entschloss mich also, wieder zurück an die östliche Südküste der Türkei zu fahren, wo ich Hinweise auf Höhlen im Mitteltaurus hatte. Das Gebiet zwischen Silifke, Mersin, Eregli und Karaman wurde danach für gut drei Monate mein Zuhause.

In der Mitte unten an der Küste Silifke, in der Mitte rechts an der Küste Mersin, oben etwa in der Mitte Eregli und links Karaman. Diese Städte und die Verbindungsstraßen umrahmen das Großgebiet meines Interesses.

Die schnurgerade 40km lange Verbindungsstraße von Karaman nach Ayranci bildet den Nordrand meines Forschungsgebietes. Südlich davon liegen drei Flußtäler, die gesäumt sind von geschichtlichen und kulturellen Highlights. Zuerst war ich in Taskale, dem letzten und bedeutenden Ort im mittleren Tal. Danach wurde das Tal von Ayranci bis Berendi und die dazu gehörenden südlichen Bergregionen mein zweites Zuhause.
Eine speläologische Forschungstour nach Tansania und Sansibar brachte mir im Sommer 2000 den glücklichen Zufall, “mein” Forschungsgebiet überfliegen und aus 10.000 Metern Höhe fotographieren zu können.

Meine speläologischen Forschungserfolge dort waren so bedeutend, dass ich in den 25 Jahren danach 35 Mal in der Türkei war und meine Einsichten vertiefen konnte.

Gürlevik in Taskale – 2,5 km Flusshöhle entdeckt, erforscht und vermessen

Hisilayik kuyu – eine ergiebige Ressource, von der heute die gesamte Gegend ihr Trinkwasser bezieht – entdeckt, erforscht und vermessen. Die DSI (türk. Wasserwirtschaftsamt) erschloss den Höhlenfluss durch einen 1,3 km langen Tunnelvortrieb ab 1995. Im Jahr 2000 floss das Wasser zum ersten Mal aus der Höhle.
Mein Interesse galt von Anfang an den Wurzeln der türkischen Kultur, die ich gerade dort sehr anschaulich geboten bekam. Immerhin war (und ist wohl auch heute noch) das Berggebiet in diesem geographischen Gebiet das größte Sommernomadengebiet der gesamten Türkei ohne Durchgangsstraße.

Die türkische Kultur startet in ihren tiefgreifenden und bis heute wirksamen Grundzügen am Ende der Eiszeit vor 10.000 – 15.000 Jahren (abhängig vom Breitengrad). Dass im fruchtbaren Halbmond schon vor 12.000 Jahren eine Hochkultur am Blühen war, haben die Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Klaus Schmidt (1953 – 2014) in Göbekli Tepe eindrucksvoll erwiesen.
Die neolithische Revolution – der Wandel vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern – wird auch assoziiert mit den Konsequenzen der Versorgung einer großen Gruppe von Künstlern und Handwerkern, die zum Bau einer solchen Anlage wie Göbekli Tepe notwendig war. Damit ist durchaus möglich, dass der Bau von religiösen Zentren nicht eine Folge der Dorfbildung war, sondern umgekehrt.
Die besonderen Bedürfnisse der Versorgung von Ziegen- und Schafherden als Grundlage für Nahrungs- und Rohstoffgewinnung unter den klimatischen Bedingungen in der Türkei machten die ganzjährige Versorgung der Herden abhängig vom Sommernomadentum. In den Sommermonaten von Juni bis September, wenn in den niederen Lagen jedes Grün in der Landschaft einem Ocker-Ton weicht, müssen die Herden in die Berglagen der Sommernomaden in eine Höhe zwischen 2000m und 2700m geführt werden, wo an jeder Stelle, an der eine Quelle zutage tritt, saftiges Grün zur Verfügung steht. Sowohl die Höhenlage als auch der Zeitraum werden bestimmt durch Schneemelze und Neuschnee als auch von der Temperatur. Die niedrigsten Nomadenlagen werden Ende Mai/Anfang Juni eingenommen – eine Zeit, in der der Frühling die Berglagen erblühen lässt. Schneefreiheit ist dabei klimatische Voraussetzung. Alle Tiere sind bei nächtlichen Frosttemperaturen kaum frei von Krankheiten zu halten.

Wiese bei Bergdorf

07.06.2012


Tulpen stammen aus dem vorderasiatischen Bergland
Ich erinnere mich an eine Silvesternacht Mitte der 90er Jahre in Antalya. Allein unterwegs hatte ich zwei deutsche Mädchen kennengelernt, die mich zur Silvesterfeier in ihr Hotel eingeladen hatten. Ein türkischer Alleinunterhalter mit keyboard und Gesang spielte zur Unterhaltung und zum Tanz auf. Kurz vor Mitternacht spielte er eine Melodie auf der Ney, einer asiatischen Flöte, und ließ sich von der Automatik des keyboards begleiten. Die Melodie transportierte die unendliche Weite der Berglandschaft und eine phantastische Atmosphäre. Zwei junge Frauen aus dem Publikum nahmen jeweils eine Kerze vom Tisch und setzten sich in traditioneller Haltung einander zugewandt mitten auf die Tanzfläche. Niemand hatte sie dazu aufgefordert.
Diese Szene war eine logische Konsequenz aus den tief eingebrannten 10.000 Jahre alten Strukturen im Unterbewussten. Selbst junge Türkinnen ohne Bezug zur Yayla (Alm) und zum Cadr (Nomandenzelt) sind unbewusst noch tief verwurzelt in den wesentlichen Abläufen, die das Nomadentum ausmachen. Die Weite der Bergwelt ist assoziiert mit dem Leben auf der Yayla und im Cadr. Das Sitzen auf dem Boden, dort, wo das Feuer ist, gehört zu den ursprünglichsten Erscheinungsformen nomadischen Lebens. Das Leben dieser Strukturen ist auch in der Realität von Stadtmenschen noch intuitiv angelegt.

Steinhaus auf der Yayla Gerdek kilise (Catköy) beim Bolkar 2001
Die Folgen dieser intuitiven Prägung sind aber von den meisten Türken nicht realisierbar. Die Sitte mit gebotshafter Stringenz, vor dem Betreten des Hauses oder der Wohnung die Schuhe auszuziehen, werden von Menschen türkischer Nationalität entweder als islamisches Gebot oder als Notwendigkeit aus Gründen der Sauberkeit erklärt. Tatsächlich hat es zwar mit Sauberkeit zu tun – aber in einer bedeutend existenzielleren Notwendigkeit als aus heutiger Erfahrung angenommen.
Der Schritt auf der Yayla ins Cadr ist nicht nur ein Schritt in die Einraumwohnung, die Küche, Wohn-, Ess- und Schlafraum in einem bedeutet, sondern – weil es im Cadr keine Möbel gibt – ein Schritt auf den Esstisch oder ins Bett. Von draußen kommend, umgeben von Hunderten von Schafen oder Ziegen, mit deren Exkrementen an den Schuhen, ist es aus hygienischen Gründen existenziell wichtig, zumindest diese Schuhe auszuziehen. Um diese Notwendigkeit zu verstärken, gehört zu der Inbesitznahme der Yayla nach dem Göcmek, der nomadischen Form des Almauftriebs, das Weißeln des Zelteingangs und des Küchenbereiches mit Kalkfarbe. Niemand wird mit zugekoteten Schuhen diese “Hemmschwelle” betreten.

Yayla am 15.08.2006
Damit wird auch deutlich, dass die rituellen Waschungen im Islam vor jedem Gebet nichts weiter sind als die Übernahme dieser existenziell wichtigen Verhaltensvorschrift aus 10.000 Jahren nomadischer Erfahrung durch eine Religion, die erst 1500 Jahre alt ist.
Warum gibt es keine Möbel im Nomadenzelt? Ganz einfach: Weil ein Kamel neben allem, was es zu tragen hat, nicht auch noch Möbel transportieren kann.
Das Kamel ist der traditionelle Lkw der Berge. Bevor dessen Aufgabe Traktoren und Lkws übernahmen, war das Kamel das Tier, mit dem die Hauptlast des Gütertransports rund ums Nomandentum geleistet wurde. Auf der Südseite des Taurus, zwischen dem Meer und den Berglagen, war das Halten von Kamelen weniger problematisch. Deshalb kann man sie auch heute noch als käppitragende Touristenkamele in den Badeorten an der türkischen Riviera antreffen. In den Nordlagen der Berge, wo die anatolische Hochebene das Leben erst bei 1000m Seehöhe beginnen lässt, war es schon bedeutend schwieriger, ein Kamel auch über den Winter zu bringen.

Yürik mit Kamelen in Ogru (Taskale) 1990

Wohl eines der letzten Kamele 1990 auf der Nordseite der Bolkar-Berge

Der letzte hohe Kamelstall am 20.08.2006 in Taskale (schon lange ohne Tiere)
Hinzu kommt, dass Kamelfleisch im Islam gegessen werden darf, ein Kamel also nach Kilo Schlachtpreis bezahlt werden muss. Esel und Pferde dürfen dagegen nicht gegessen werden und sind entsprechend billig zu haben. Da z.B. kranke Pferde einfach für die Wölfe auf den Bergen zurückgelassen werden, gibt es heute im Taurus wilde Pferdeherden.

Wildpferde am Keban kaya 2000

Wildpferde im Bolkargebirge am 14.08.2013
Und noch was: Das Kamel transportiert Güter bei der Wanderung aus dem Tal auf die Yayla und umgekehrt und dazwischen vielleicht den Käse zur Einlagerung im Käseschacht. Ansonsten steht es nur unnütz rum und frisst für viele Schafe. Man kann sich davon also nicht mehr als eines leisten.
Entsprechend muss der Transport aller Güter zur Yayla so rudimentär wie nur möglich gehalten werden. Möbel wären dabei unnützer Luxus.

Göcmek vom Dorf Kesir vor Berendi auf die Yayla – schon lange ohne Kamel
Das Essen auf dem Boden ist also eine typische Äußerungsform anatolisch-nomadischer Tradition.
In einem Bergdorf freundete ich mich mit einem Lehrer an. Natürlich war ich bei ihm zuhause und wir haben auf dem Boden gegessen. Als seine Töchter so alt waren, dass sie die Hochschule besuchten, zog die Lehrerfamilie in die Stadt. In der Stadtwohnung gab es natürlich die Trennung von Küche, Wohn- und Schlafzimmer. In einem Esszimmer stand sogar außer dem Sofa ein Esstisch mit Stühlen. Das bedeutete aber nicht, dass wir am Tisch gegessen haben. Natürlich wurde korrekterweise auf dem Boden gegessen – zwischen Sofa und Esstisch.

Essen bei Freunden in Catköy 2010
Das traditionelle Nomadenzelt besteht aus Holzstangen und einer schweren, dunkelbraunen Zelthaut aus Ziegenfilz. Diese ist luftdurchlässig. Im Vergleich zu einer Plastikfolie ist sie teuer in Produktion und Anschaffung und viel zu schwer für den Transport. Kein Wunder verschwanden die typischen traditionellen Zelte in den letzten Jahren fast völlig.

Zelte in Almacenenyurdu 1999

Traditionelle Nomadenzelte nördlich des Bolkar 2002
Jedes Zelt hat meist eine Grundmauer, die den Grundriss des Zeltes bildet und in den der Eingang und die Kochstelle mit eingearbeitet ist. Darüber wird das Zelt erbaut. Yayla und Wohnplätze sind in Familienbesitz.
Große Yaylas bestehen auch aus festen Häusern in Trockenbauweise aus lokal anliegendem Gestein mit Flachdächern, deren statische Kernstruktur aus Wachholderbaumstämmen gebildet ist.

Gerdek kilise Yayla am 12.08.2004 morgens – der Bolkar in Wolken

Typische Decke eines Flachdaches in den Bergen – 17.05.2008
Äste und Steine füllen aus und Grund dichtet nach oben ab. Die Flachdächer sind so stabil, dass eine (männliche) Hochzeitsgesellschaft darauf auch mit Musik, Tanz, Essen und Trinken feiern kann.

Aufnahme 1990 vom Hausdach am Hang darüber

Typisches Gehöft mit Flachdach (Steinwalze an der rechten hinteren Ecke)
Außerdem ist das Flachdach auch Arbeits- und Trocknungsfläche.
Regen oder Schnee weicht das Dach aber durch, weshalb Schnee immer wieder beseitigt werden muss. Außerdem gehört auf jedes traditionelle Flachdach eine Steinwalze, mit der die Struktur des Daches nach einer Aufweichung wieder verdichtet werden kann.


Die Häuser auf den Yaylas machen deutlich, dass das Steinhaus in der anatolisch-nomadischen Tradition nichts weiter ist als ein Nomadenzelt – aber eben aus Stein. Auch im Steinhaus gibt es nur einen Raum.

Das traditionelle Haus im Tal besitzt nicht die Raumaufteilung einer Stadtwohnung. Es ist eigentlich ein Cadr aus Stein oder Kerpec (Lehmziegel, aus Lehm und Stroh geformt und in der Sonne getrocknet). Der Küchenbereich ist zwar in einem extra Raum untergebracht, aber der Rest des Wohnens spielt sich in einem Raum ab: Gäste empfangen, Essen und Schlafen. Grundausstattung sind – wie im Cadr – Teppiche und Sitzkissen, im Haus kommen noch 1 bis 2 Sofas hinzu. Und ein Holzofen für die kalten Wintermonate. In der Wand befindet sich unter einem Vorhang eine große Nische. In ihr lagern die Matten, Kissen und Decken, die nachts zum Schlafen ausgelegt werden.

Essen bei Freunden in Taskale 1990
An dieser Stelle glaubte sich eine Frau auf einem Foto zu erkennen, die einmal von mir als verheiratete Frau Kindesunterhalt (für sich selbst als Kind!) pfänden ließ und meinte, ihr würde deshalb Schmerzensgeld zustehen.
Ich habe das Foto gelöscht.
Bei einer größeren Gesellschaft essen Männer und Frauen mit Kindern getrennt.

Frauen mit Kindern beim Essen im Haus von Hasan H. Peker in Karaman am 30.08.2009
Es muss nicht verwundern, wenn Türken es lieben, im Freien am Wasser zu picknicken. Damit wird die Situation auf der Yayla reproduziert.

Landarbeiter am 28.05.2007 während der Arbeitspause in Bugdayli

Eine typische Männergesellschaft beim Picknick an einer Quelle mit Lamm, Musik und Raki. Während das erste Lamm gegessen wird, wird das zweite schon geschlachtet.



Mitreißendes Konzert vor vollem Haus!
… in Abwandlung des Abschluss-Stückes von Armstrong: What a wonderful world!
Die Musikschule Gaggenau brillierte heute Abend mit einem besonderen Erlebnis in der Jahnhalle in Gaggenau. Im Kern mit eigenen Kräften wurde ein begeisterndes Programm unter dem Motto “A Touch Of Jazz” geboten.
Das Full Orchestra mit Unterstützung der Philharmonie Baden-Baden eröffnete den Abend mit einem mitreißenden Medley “A Touch Of Jazz”

Das Jazz-Ensemble der Musikschule mit “Dont know why” von Norah Jones und “How high the moon” von Morgan Lewis

Das Vokalensemble CROSSOVER mit einem Ray Charles Medley und einer phantastisch swingenden Version von “Can’t buy me love” von den Beatles

Das Highlight des Abends: “Rhapsody in Blue” von Gershwin mit Daniela Filipova als Solistin

Nach dem “Maple Leaf Rag” mit Matthias Barth am pno der “Entertainer” in einer Bearbeitung für Streichquartett

Ein George Gershwin Medley von einem Blechbläserquintett (mit einer selten zu sehenden Bass-Posaune)

Bluesrock mit Lehrern der Musikschule

Der Abend wurde abgeschlossen vom Großen Orchester mit zwei Medleys von Duke Ellington und Satchmo (Louis Armstrong)


Das war SPITZE!














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Referierende Personen
Diskutanten


Arbeitsgruppe
Rahmenprogramm in der “Spätschicht”
Down n’dirty
Ingo Nowacki – drums
Eric Poth – lead guitar / vocals
Boris Kuehl – bass guitar / vocals
Kay Nerenz – keyboards / vocals













Stephansdom

Aussichtsplattform auf dem Nordturm des Domes



Suchbild: Gesucht wird – nein, nicht die Kutschen – eine Person…
Die “Pummerin” ist die größte Glocke Österreichs und hängt oben bei der Aussichtsplattform







Organisator

Moderator
Referenten
Podiumsdiskussion mit Personen, die Wechselmodell leben bzw. gelebt haben
Podiumsdiskussion mit Organisator, ReferentInnen und Vertreterinnen aus der Politik

Post-Kongress


BEGEGNUNGEN
REDNER
DEMONSTRATIONSZUG
AM DOM

